
Ein Onlineshop kann in mehreren Ländern denselben Checkout anbieten und trotzdem unterschiedliche Erfahrungen mit Kartenbetrug machen. Für Schweizer Unternehmen mit internationaler Kundschaft ist deshalb eine praktische Frage entscheidend: Welche Unterschiede zeigen die eigenen Zahlungsdaten, und wo lohnt sich eine genauere Prüfung?
Eine am 22. September 2026 veröffentlichte Analyse von Stripe gibt dafür einen Ausgangspunkt. Der Zahlungsanbieter hat Milliarden Transaktionen auf seiner Plattform aus dem Zeitraum Januar 2022 bis März 2026 untersucht. Es handelt sich um eine Auswertung eigener Plattformdaten, nicht um eine repräsentative Erhebung des gesamten Kartenmarkts.
Regionale Durchschnittswerte verdecken Unterschiede
Laut Stripe sank die Kartenbetrugsrate europäischer Unternehmen auf der Plattform zwischen 2022 und 2025 um 21 Prozent. Die Entwicklung verlief jedoch nicht überall gleich: Für Frankreich nennt Stripe einen Rückgang um 40 Prozent, für Grossbritannien um 27 Prozent. Auf der Iberischen Halbinsel stiegen die Raten dagegen in jedem untersuchten Jahr.
Diese Gegenüberstellung macht einen wichtigen Punkt sichtbar: Ein regionaler Durchschnitt ist eine grobe Orientierung. Er beschreibt weder jeden einzelnen Markt noch das Risiko eines bestimmten Unternehmens. Eine gesonderte Schweizer Betrugsquote enthält die Analyse nicht.
Was sich aus dem Vergleich ableiten lässt
Stripe diskutiert die Entwicklung unter anderem im Zusammenhang mit zusätzlicher Authentifizierung durch 3D Secure und unterschiedlichen regionalen Vorgaben. Die Beobachtung zeitlicher Zusammenhänge beweist allerdings nicht, welchen Anteil eine einzelne Massnahme an einer Veränderung hat. Die Auswertung ist kein kontrolliertes Experiment.
Für die betriebliche Planung empfiehlt es sich deshalb, zwei Fragen auseinanderzuhalten. Die erste lautet: Welche Entwicklung beschreibt die Quelle? Die zweite: Welche Entscheidung lässt sich mit den eigenen Daten begründen? Eine überzeugende Antwort auf die erste Frage ersetzt die Arbeit an der zweiten nicht.
Den eigenen Checkout gezielt überprüfen
Ein sinnvoller Anfang wäre eine gemeinsam vereinbarte Übersicht für Zahlungsabwicklung, Kundendienst und Shopverantwortliche. Statt sofort Regeln zu verändern, kann das Team zunächst festhalten, welche Auffälligkeiten es untersuchen will. Dazu gehören etwa abgebrochene Bezahlvorgänge, Rückfragen nach einer zusätzlichen Bestätigung oder strittige Zahlungen.
Wichtig ist, vergleichbare Gruppen zu bilden. Ein Unterschied zwischen zwei Zeiträumen kann beispielsweise Anlass geben, Veränderungen im Sortiment, in der Kundschaft oder im Checkout zu prüfen. Solche möglichen Erklärungen sollten als Hypothesen dokumentiert werden. Sie sind keine Befunde aus der Stripe-Analyse.
Ebenso hilfreich ist eine klare Trennung von Beobachtung und Ziel. Ein Team könnte etwa prüfen wollen, ob eine Anpassung unnötige Rückfragen reduziert, ohne bei strittigen Zahlungen eine unerwünschte Entwicklung zu übersehen. Welche Messgrössen dafür geeignet sind, hängt vom eigenen Betrieb und den verfügbaren Daten ab. Eine einzelne Kennzahl sollte nicht vorab zur vollständigen Erfolgsmessung erklärt werden.
Ein begrenzter Versuch statt einer pauschalen Regel
Für einen konkreten Test lassen sich vorab Umfang, Zuständigkeit und Rückkehr zum bisherigen Ablauf festlegen. Welche Kundengruppe ist betroffen? Wer beurteilt die Rückmeldungen? Wann wird ausgewertet? Unter welchen Bedingungen wird der Versuch beendet? Diese Fragen machen eine Änderung überprüfbar und erleichtern die Zusammenarbeit zwischen Technik und Betrieb.
Auch der Kundendienst sollte wissen, was im Test anders läuft. Ein kurzer interner Hinweis kann erklären, welche Rückmeldungen gesammelt werden sollen und wer sie auswertet. So wird aus einem auffälligen Einzelfall eine nachvollziehbar dokumentierte Beobachtung. Ob daraus eine dauerhafte Anpassung folgt, bleibt eine Entscheidung auf Grundlage der eigenen Ergebnisse.
Die regionale Betrachtung ist damit vor allem ein Anlass für bessere Fragen. Schweizer Shops sollten aus der Analyse keine pauschale Länderbewertung und keine automatische Sperrliste ableiten. Hilfreicher ist ein klar begrenzter Prüfauftrag: Wo weicht der eigene Ablauf vom erwarteten Verhalten ab, welche Erklärung ist plausibel, und wie lässt sie sich überprüfen?
Quelle und Einordnung
Stripe, Samuel Bakouch und Jacob Meltzer: New trends in global card fraud: How 3D Secure and regional mandates are affecting risk, 22. September 2026. Datenzeitraum: Januar 2022 bis März 2026. Geprüft am 18. Oktober 2026. Die praktischen Prüfschritte in diesem Beitrag sind redaktionelle Empfehlungen; ihre Wirksamkeit wurde in der genannten Analyse nicht getestet.